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Andentour

So. Wir sind zurück von unserer kleinen Tour durch die Anden und ich werde ein bisschen berichten, was wir so alles erlebt haben.

Eigentlich wollten wir ja in den ersten Ferien gleich ins Ausland, um unser immer nur für 90 Tage gültiges Visum zu verlängern. Irgendwie scheint es aber in Lima auch eine Möglichkeit zu geben, das Visum für ein bisschen Kohle zu verlängern. Deshalb nahmen wir von der Auslandstour Abstand und nahmen uns vor, ein bisschen die nähere Umgebung Cieneguillas zu erkunden und einfach mal das Flusstal rauf zu fahren.

Wir hatten nur eine sehr diffuse Vorstellung davon, was uns da oben erwartete, aber wir machten uns mal für eine größere Zelttour klar. Für mich ging’s deshalb am Montag noch mal nach Lima zum Campingequipment kaufen, denn Isomatte und Schlafsack hatte ich aus Deutschland nicht mitgebracht. Aber nicht so schlimm, einfach in den Bus gesetzt, zum Jockey Plaza gefahren, einem riesigen Einkaufszentrum und dort mal die Supermärkte nach Campingzeug durchsucht. Die Ergebnisse waren sehr mau, auf mehreren zehntausend Quadratmetern Verkaufsfläche fanden sich grad mal geschätzte drei für Campingausrüstung, wobei die Preise entweder total niedrig oder exorbitant hoch lagen. Naja, ich orientierte mich eher nach unten und nachdem ich einen Schlafsack gefunden hatte, in den ich auch ausgestreckt halbwegs rein passte holte ich mir den (umgerechnet 6 Euro) und zwei Isomatten (eine war zu dünn, Preis: 2,50€/Matte).

Zu Hause ging’s dann ans Packen und Fresspakete verteilen. Wir nahmen zum Beispiel ein paar Kilo Limonen zum Wassergeschmack verbessern mit.



Tag 1


Am Dienstag ging’s um halb neun vom Colégio weg zur Hauptstraße von Cieneguilla, wo wir auf einen Bus hofften. Mit uns waren ein Lehrer und eine weitere Deutsche gekommen, die aber nur einen Monat hier in Cieneguilla bleibt. Die beiden wollten in einem Dorf weiter oben im Tal eine Route für eine Klassenfahrt auskundschaften.

Wir saßen einige Zeit an der Haltestelle rum, bis wir uns dafür entschieden, ein Colectivo bis zum Ortsende zu nehmen und von dort aus mit einem Taxi die erste Wegstrecke zu fahren. Direkt hinter Cieneguilla hört die Teerstraße auf und man rumpelt mit mäßigem Tempo über eine enge Schotterstraße, die sich auf der einen Seite an den Berg schmiegt und auf der anderen über dem Abgrund lehnt. Aber noch war alles im grünen Bereich, der Fahrer schien die Strecke ein und auswendig zu kennen (kein Wunder, er fährt sie seit 10 Jahren). Auch eine Reifenpanne auf halbem Weg konnte uns nicht aufhalten, so was passiert hier ständig und deshalb sind die Fahrer sehr geübt darin, die Teile zu wechseln. Auf unserem Weg kamen wir durch einen Ort mit dem schicken Name „Nieve Nieve“ („Schnee Schnee“, ich kann mir nicht vorstellen, dass in so einem Tal in der Wüste auf noch gemäßigter Höhe allzu oft Schnee fällt…

Nach einer knappen Stunde waren wir dann am ersten Ziel unserer Reise: Einem kleinen Dorf namens Antioquía auf schon deutlich mehr als 1000 Metern ü.N.N. Das Teil war durchaus sympathisch, vor allem wegen den überaus farbenfroh bemalten Häusern. Was uns nicht so gefiel, war die Landschaft rundrum. Die war nämlich noch genauso wie in Cieneguilla und deshalb irgendwie öde. Laut gewissen Gerüchten soll der Kakteenbestand in dieser Höhe sehr interessant sein, aber mal ganz ehrlich: was interessieren einen Kakteen, wenn man mal wieder grüne Landschaften und Bäume sehen will? So blieb uns dreien nichts anderes übrig, als noch ein bisschen auf den Bus zu warten, der irgendwann auch tatsächlich kam und uns ein bisschen landschaftliche Abwechslung verschaffen sollte.

Wir hatten gehört, dass der Bus bis in ein Kaff namens Huarochiri fahren sollte. Von dort aus wollten wir dann über einen Pass in ein anderes Tal laufen. Bevor es mit dem Bus losging, ließen wir uns noch kurz von einem Einheimischen ungefähr den Weg erklären, den wir zu gehen hatten.

Ich hatte angenommen, dass Huarochiri noch im Tal des Cieneguiller Flusses (das könnte der Lurin sein, aber da bin ich nicht so sicher) liegen würde. Das war aber nicht der Fall. Die extrem schmale Holperpiste von Straße wand sich immer mehr das Tal nach oben und fuhr schließlich über einen Pass und eine Hochebene (geschätzte gute 4000 Meter) in ein anderes Tal, in dem die Dörfer Huarochiri, San Lorenzo de Quinti und San Juan de Tantaranche lagen. Wir ließen uns beraten und fuhren bis San Juan, das am nächsten an unserem Pass lag.

Mittlerweile war es Nacht geworden und wir durften einen gigantischen Sternenhimmel bewundern mit einer Milchstraße, wie sie von Deutschland so nicht zu sehen ist… Es hat echte Vorteile, in den Bergen Sterne anzugucken. Tja, es gibt aber auch echte Nachteile. Wenn man nämlich nicht die ganze Zeit nur in den Himmel schauen will, kommt man auch auf den läppischen 3200 Metern von San Juan übel schnell außer Puste. Wir machten deshalb sehr langsam und suchten uns außerhalb des Dorfes einen Platz zum Übernachten. Den fanden wir: Eine Gesundheitsstation des Gesundheitsministeriums hatte nach hinten raus ein schick überstehendes Dach und so verzichteten wir für die erste Nacht mal darauf, ein Zelt aufzubauen.

Da ich von meinem Billigschlafsack nicht viel erwartete, packte ich mich ordentlich dick ein, T-Shirt, Pulli, Kapuzenpulli, dünne Jacke, lange Unterhose, Hose, Sonnenhut, Palestinensertuch, ein doppeltes Paar Socken und noch eine Decke um die Füße, die ich aus dem Flugzeug mitgenommen hatte. So ausgestattet konnte temperaturmäßig gar nichts schief gehen. Geschlafen haben wir alle trotzdem schlecht – vermutlich wegen der dünnen Luft, die für unseren üblichen Atemrhythmus einfach zu wenig Sauerstoff enthielt.



Tag 2


Am Mittwochmorgen stärkten wir uns zunächst mit einer ordentlichen Dosis Koka-Tee (soll gegen Höhenkrankheit helfen, vor allem aber gegen Austrocknung), wir erledigten die letzten Einkäufe, schließlich rechneten wir damit, vier Tage lang von jeder Zivilisation abgeschnitten zu sein.

Die Höhe setzte uns schon zu. Während sie sich bei den beiden anderen hauptsächlich durch starke Kopfschmerzen bemerkbar macht, war ich einfach nur schlapp und hatte gar nicht unbedingt das Bedürfnis, aufzustehen.

Wir schafften es dann doch, loszukommen und das noch einigermaßen gut gelaunt, denn die Landschaft konnte sich sehen lassen. Endlich das, was wir wollten: Wir starteten in einem Tal voller Farben mit hohen Bergen und im Duft von Eukalyptusbäumen, der Himmel war wolkenlos, die Temperatur aber genau richtig um im T-Shirt zu wandern. Im Tal plätscherte der Fluss und wir teilten uns erst mal den Weg mit einer Kuhherde. Wir ließen es ganz entspannt angehen, mussten aber doch schon recht häufig eine Pause machen. Langsam entfernten wir uns von der Zivilisation und begegneten immer weniger Peruanern, andere Touris gab’s sowieso nicht. Wir stiegen langsam höher, bogen rechts in ein Seitental ein.

Nun, vor der Mittagspause traten erste starke Ermüdungserscheinungen auf. Noch waren unsere Rucksäcke rappelvoll gepackt mit Proviant und, bei mir, fünf Litern Wasser. Wir mussten immer häufiger eine Pause einlegen und fast hyperventilieren, um den Sauerstoffgehalt in unserem Blut wieder zu normalisieren. Damit sich unser Blut nicht zu stark verdickte, tranken wir extrem viel, sodass unsere Wasservorräte immer magerer wurden. Etwa zur Mittagszeit fanden wir dann zum Glück einen Bach, der unserem Ermessen nach nicht über eine Kuhweide gelaufen war und bei dem wir unsere Flaschen auffüllten. Wir hatten leider die Wasserdesinfektionstabletten vergessen und mussten deshalb hoffen, dass es nicht mitten auf dem Berg einen von uns erwischt und wir ihn den restlichen Weg tragen müssten. Die Befürchtungen bezüglich des Wassers bewahrheiteten sich nicht, es schmeckte fast besser als das gekaufte und wir konnten keine Krankheitssymptome darauf zurückführen. Ich verbrachte die meiste Zeit der Mittagspause damit, auf einer Isomatte zu ratzen, so total am… äh, fertig war ich. Das ist absolut nicht zu beschreiben, den anderen ging’s aber nicht viel besser. Als wir uns wieder aufgerafft hatten, gingen wir mit gesenktem Kopf weiter, immer nur auf die nächsten paar Meter achtend, dann alle zehn, zwanzig Meter mal kurz den Kopf heben um zu überprüfen, wie der Weg weitergeht, wieder auf den Boden achten und weiter. Gegen Ende des Tages wurden die Pausen immer länger und die Gehabschnitte immer kürzer. Vielleicht lag's an der zunehmenden Höhe, vielleicht an der zunehmenden Erschöpfung, wahrscheinlich an beidem. Aber ich kann eigentlich nicht klagen, ich war „nur“ todeserschöpft. Meinen Füßen ging's gut, ich hatte kein Kopfweh, keine Verdauungsstörungen, keine Übelkeit... Alles im grünen Bereich also. Irgendwann gegen fünf kamen wir dann auf ein kleines Plateau und beschlossen, tot wie wir waren, hier unsere Zelte aufzuschlagen, was bei den windigen Verhältnissen, der dünnen Luft und der rasch fallenden Temperatur recht lange dauerte. Danach noch ein bisschen was gegessen und getrunken, den wunderbaren Sonnenuntergang bewundert und dann vor der eisigen Kälte ins Zelt geflüchtet. Obwohl es erst 19:00 Uhr war, fühlten wir uns so erschöpft, es hätte auch 23:00 oder 24:00 Uhr sein können

In der Nacht war mir in meiner dicken Verpackung wieder erfreulich warm, einen besonders guten Schlaf hatten wir auf guten 4000m aber wieder nicht – wahrscheinlich eben wieder wegen dem mangelnden Sauerstoff.



Tag 3


Am Donnerstag wachten wir wie gerädert auf, wir hätten wahrscheinlich noch fünf Stunden länger liegen bleiben können und wir hätten uns nicht besser gefühlt. Deshalb raus aus den Kojen und den strahlenden Sonnenschein bewundert. Ein bisschen was zu Essen und Trinken reingedrückt (meine Kehle war so trocken, dass jeder Schluck höllisch weh tat), die Hühner gesattelt und weiter.

Bald nachdem wir unseren Zeltplatz verlassen hatten, öffnete sich das Tal, das bisher sehr schmal und steil gewesen war zu einer Ebene, durch die wohl früher mal ein Gletscher gerutscht war. Leichter wurde der Weg für uns deshalb leider nicht, weil wir uns am Rand der Ebene den Berg rauf quälen mussten. Aber, was sehr viel wichtiger war, wir sahen jetzt, wie weit wir höchstens noch nach oben mussten, auch wenn noch nicht klar war, wo genau unser Pass war. Die Vorfreude auf den Pass mobilisierte nochmal ein paar Extrakräfte und wir schafften es etwa zur Mittagszeit, den Pass (etwa 4700m) zu überqueren. Oben waren wir allerdings zu schlapp um irgendwelche Fotos zu machen, wir schleppten uns noch ein paar Meter nach unten und legten uns erstmal in den Windschatten eines dicken Steins. Was uns ein bisschen Sorgen bereitete waren unsere Wasservorräte, die waren nämlich aufgebraucht und uns war nicht ganz klar, wann wir wieder Trinkbares finden würden. Unser Zieldorf, Tanta, schien noch eine Ewigkeit entfernt, ich war davon überzeugt, dass wir nochmal irgendwo im Zelt würden übernachten müssen. Zügig rafften wir uns wieder auf und machten uns an den weiteren Abstieg. Ein relativ steiles Stück direkt nach dem Grad mündete in eine weite Ebene, die ein bisschen an die Totensümpfe in Herr der Ringe erinnerte. Trockenes Gras, und Labyrinthe von Moospolstern, zwischen denen ein bisschen Brackwasser stand und auf denen eine große Lamaherde nach Futter suchte. Arg viel Zeit hatten wir aber nicht für die Wunder der Natur, unsere Ziele waren klar definiert: Abwärts! Wasser!.

Unsere Gehetappen wurden länger, die Pausen weniger und kürzer, das Gelände war schön eben und die Anstrengung hielt sich in Grenzen. Das lange Tal ging irgendwann wieder in einen steileren Teil über, wo wir kurz eine Pause machten, um uns eine Banane in die Fressluke zu werfen. Während der Pause kam eine Peruanerin den Berg hoch und zwischen einem Haufen unverständlichem Zeug hörten wir auch raus, dass es nur noch eine halbe Stunde bis Tanta sei. Das hielten wir aber für krass unrealistisch, weil wir schon vorher ein paar Mal ungeheuer optimistische Schätzungen betreffend der verbleibenden Wegstrecke gehört hatten und immer wieder enttäuscht worden waren.

Diesmal aber bewahrheitete sich die Prognose und als wir um den nächsten Berg bogen, sahen wir im Tal Tanta liegen... Ich kann euch sagen, das war eine gigantische Erleichterung. Die letzten Kilometer liefen sich wie von selbst und schon konnten wir uns auf den Plaza de Armas des kleinen Dörfchens auf 4300 Metern chillen. Ein Besoffener stresste ein bisschen, weil er von uns Plata, also Knete haben wollte, aber Hauptsache, man konnte sich hinsetzen, ein bisschen Kokatee trinken und musste nicht mehr laufen.

Es hatte ein bisschen zugezogen und zu tröpfeln begonnen, deshalb machten wir es uns für die Nacht einfach und nahmen uns ein Zimmer für 1,25 € pro Nase, schlürften noch eine Suppe und gingen wieder um 20:00 schlafen.

So, das langt erstmal. Das nächste Mal erzähle ich noch, wie wir wieder nach Hause gekommen sind. Außerdem hab' ich euch mit Google Earth mal eine Tour gebastelt, damit ihr mal unsere Route abfliegen könnt. Das kommt aber dann beim nächsten Mal...

Hier gibt's die Bilder zur Tour:

Andentour

8.10.07 18:43
 



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