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Reisen Peru






Andentour Tag 4

So, hier kommt der zweite Teil unserer Andenfahrt: Der Heimweg.

 

Am Donnerstag wachten wir wie gerädert auf, wir hätten wahrscheinlich noch fünf Stunden länger liegen bleiben können und wir hätten uns nicht besser gefühlt. Deshalb raus aus den Kojen und den strahlenden Sonnenschein bewundert. Ein bisschen was zu Essen und Trinken reingedrückt (meine Kehle war so trocken, dass jeder Schluck höllisch weh tat), die Hühner gesattelt und weiter.

Bald nachdem wir unseren Zeltplatz verlassen hatten, öffnete sich das Tal, das bisher sehr schmal und steil gewesen war zu einer Ebene, durch die wohl früher mal ein Gletscher gerutscht war. Leichter wurde der Weg für uns deshalb leider nicht, weil wir uns am Rand der Ebene den Berg rauf quälen mussten. Aber, was sehr viel wichtiger war, wir sahen jetzt, wie weit wir höchstens noch nach oben mussten, auch wenn noch nicht klar war, wo genau unser Pass war. Die Vorfreude auf den Pass mobilisierte nochmal ein paar Extrakräfte und wir schafften es etwa zur Mittagszeit, den Pass (etwa 4700m) zu überqueren. Oben waren wir allerdings zu schlapp um irgendwelche Fotos zu machen, wir schleppten uns noch ein paar Meter nach unten und legten uns erstmal in den Windschatten eines dicken Steins. Was uns ein bisschen Sorgen bereitete waren unsere Wasservorräte, die waren nämlich aufgebraucht und uns war nicht ganz klar, wann wir wieder Trinkbares finden würden. Unser Zieldorf, Tanta, schien noch eine Ewigkeit entfernt, ich war davon überzeugt, dass wir nochmal irgendwo im Zelt würden übernachten müssen. Zügig rafften wir uns wieder auf und machten uns an den weiteren Abstieg. Ein relativ steiles Stück direkt nach dem Grad mündete in eine weite Ebene, die ein bisschen an die Totensümpfe in Herr der Ringe erinnerte. Trockenes Gras, und Labyrinthe von Moospolstern, zwischen denen ein bisschen Brackwasser stand und auf denen eine große Lamaherde nach Futter suchte. Arg viel Zeit hatten wir aber nicht für die Wunder der Natur, unsere Ziele waren klar definiert: Abwärts! Wasser!.

Unsere Gehetappen wurden länger, die Pausen weniger und kürzer, das Gelände war schön eben und die Anstrengung hielt sich in Grenzen. Das lange Tal ging irgendwann wieder in einen steileren Teil über, wo wir kurz eine Pause machten, um uns eine Banane in die Fressluke zu werfen. Während der Pause kam eine Peruanerin den Berg hoch und zwischen einem Haufen unverständlichem Zeug hörten wir auch raus, dass es nur noch eine halbe Stunde bis Tanta sei. Das hielten wir aber für krass unrealistisch, weil wir schon vorher ein paar Mal ungeheuer optimistische Schätzungen betreffend der verbleibenden Wegstrecke gehört hatten und immer wieder enttäuscht worden waren.

Diesmal aber bewahrheitete sich die Prognose und als wir um den nächsten Berg bogen, sahen wir im Tal Tanta liegen... Ich kann euch sagen, das war eine gigantische Erleichterung. Die letzten Kilometer liefen sich wie von selbst und schon konnten wir uns auf den Plaza de Armas des kleinen Dörfchens auf 4300 Metern chillen. Ein Besoffener stresste ein bisschen, weil er von uns Plata, also Knete haben wollte, aber Hauptsache, man konnte sich hinsetzen, ein bisschen Kokatee trinken und musste nicht mehr laufen.

Es hatte ein bisschen zugezogen und zu tröpfeln begonnen, deshalb machten wir es uns für die Nacht einfach und nahmen uns ein Zimmer für 1,25 € pro Nase, schlürften noch eine Suppe und gingen wieder um 20:00 schlafen.



Tag 3


Mh, ja, hatte ich erwähnt, dass wir auf den letzten drei Stunden unserer Wanderung nichts mehr zu trinken hatten? Ja, hab' ich, aber ich wollt's an dieser Stelle noch einmal anbringen, weil das erste, was ich beim Aufstehen dachte, war: Hättste doch gestern mehr Kokatee getrunken, weil meine Lippen sich anfühlten als wären sie mit zwei Millimetern Hornhaut bedeckt. Die zweite Sache, die mir durch den Kopf ging war: Kann mal jemand diesen blöden Vogel köpfen, der da so ausdauernd und eintönig Schreie von sich gibt! (Es stellte sich heraus, dass das ein Papagei war. Leider köpfte ihn niemand und das Geschrei ging noch einige Stunden weiter.) Mein dritter Gedankengang betraf eher meine olfaktorische Umwelt und war mehr oder weniger eine Beschwerde meines Geruchssinnes, der meinen Schweinehund höflich dazu aufforderte, sich sofort zu verziehen, damit dem Aufstehen und dem Fensterschließen nichts mehr im Wege stünde. Grund: Durch das geöffnete Fenster zog ein bestialischer Gestank aus der Richtung der Küche herüber, den ich irgendwie unter schlecht verbranntem Diesel einordnete (wohl unwahrscheinlich, dass die mit Diesel kochen, das brennt ja unter halbwegs normalen Umständen eher nicht). Naja, der Schweinehund erwies sich als stärker als der Geruchssinn und so blieb ich noch bis neun im Bett liegen, während der Geruch sich nach einiger Zeit wieder verzog.

Irgendwann um neun oder halb zehn schälte ich mich dann doch aus meinem 6€-Schlafsack (in die Alpaka-Decken, die auf dem Bett lagen, hatte ich mich aus Rücksicht auf den darin vermuteten Mikrokosmos von naja, Parasiten irgendwie nicht legen wollen) und begab mich auf die Suche nach dem verschollenen Gabriel. Dem hatte die Höhe scheinbar am wenigsten ausgemacht und er hatte sich schon um 8:00 verabschiedet und hatte eine oberhalb des Dorfes liegende Laguna besucht. Auch mit Rumfragen konnte ich ihn aber nicht lokalisieren, machte noch ein paar Fotos von den Schneebergen rund ums Dorf und ging wieder zurück in unsere Herberge zu Jakob, dem die Höhe am meisten zusetzte. Aber auch der kam langsam auf die Beine und als dann irgendwann auch Gabriel eintrudelte machten wir uns vom Acker, um uns eine Fahrt nach Jauja, der nächsten Stadt zu organisieren.

Bald fanden wir einen Kleinbus, der auch nach Jauja fuhr und uns für 2,50€ mitnehmen wollte. Wir waren der Sache auch gar nicht abgeneigt und waren schon dabei, unsere Rucksäcke auf der hintersten Bank zu verstauen. Dann wurde aber auf einmal ein gehäutetes und geköpftes Vieh vorne auf ein paar Papiersäcke geschmissen (Paarhufer und klein, weiter konnten wir es nicht identifizieren). Dann fanden wir auf den Sitzen auch noch Blutflecken (eingetrocknet natürlich) und hörten raus, dass das Gefährt größtenteils als Fleischtransporter dient. Naja, wir nahmen dann von unserem Plan, mitzufahren Abstand und suchten uns was anderes... Das fand sich auch, ein sehr viel komfortablerer Bus. Noch nicht Reisebusstandard, aber doch etwas mehr als ein Fleischtransporter.

Bis zur Abfahrt hatten wir noch ein bisschen Zeit und die vertrieben Gabriel und ich uns damit, ein bisschen was gegen unser Defizit an warmen Mahlzeiten zu tun: Wir warfen jeweils zwei frittierte Forellen mit Reis ein. (Die Forellen kommen direkt aus dem Fluss und den Seen rund um Tanta und schmeckten einwandfrei lecker.) Wir waren ja schon ein bisschen skeptisch, wegen mangelnder Hygiene und verweichlichten Europäermägen und der Spruch „Wohl bekomm's“ war nicht nur als leere Phrase gemeint, aber offenbar waren unsere Befürchtungen unbegründet, auch den folgenden üblen Härtetest hielten unsere Mägen aus, ohne, dass es zum GAU gekommen wäre: Die Fahrt nach Jauja.

Es soll ja einige Menschen geben, die viel Geld für sogenannte Parabelflüge ausgeben. Wir haben eine günstige Alternative: Für nur 10 Soles kann man auf dem Weg von Tanta nach Jauja bestimmt 15 bis 20 Experimente in kurzfristiger Schwerelosigkeit durchführen. In anderen Worten: Die Straße ist das Letzte und dem Busfahrer ist's egal. Wir hielten uns mit allen verfügbaren Kräften fest und kamen dennoch mehrmals der Decke mit unseren Köpfen unangenehm nahe (okay, man hat in diesen Bussen eh nicht übermäßig viel Kopffreiheit, aber normal reicht's.)

In den Zeiten, in denen ich mal die Muse hatte, aus dem Fenster zu schauen, war ich immer wieder neu beeindruckt von den Bergen rundrum. Echt nicht schlecht, wie's im Laufe der Zeit die Sedimentschichtungen in einander verwickeln kann...

Wir hatten uns die Fahrt recht einfach vorgestellt, eigentlich so, dass es immer nur in einem Tal bergab gehen würde – falsch gedacht... Es ging nach einiger Zeit wieder um einen Berg rum und ein anderes Tal wieder bergauf, zu einem Pass hoch (Jakob als unser wandelnder Höhenmesser freute sich, ihm gings gleich wieder deutlich schlechter).

Freuen“ konnten wir und auch über die Musikuntermalung der Reise: Die beschränkte sich nämlich auf eine Kassette, auf der sich auch nur die Musik einer Interpretin befand. Wahrscheinlich würde einem fast jede Musik in einer fünf- oder sechsstündigen Endlosschleife irgendwann auf die Nerven gehen. Aber bei dieser ging's noch schneller, als es hätte sein müssen. Denn auf der Kassette befand sich eine Aufnahme einer Radiosendung, die eigentlich mehr eine Dauerwerbesendung für die Sängerin war und zwar von der schlechtesten Sorte... Ständig wurde uns erzählt, wie sehr diese Tussi die peruanische Folkloremusik revolutionieren würde... Für uns natürlich Grund genug, ihre Musik (die wir am Ende der Fahrt schon fast auswendig konnten) zu analysieren und zu dem Schluss zu kommen, dass sie extrem primitiv ist.

Irgendwann, es wurde schon langsam dunkel, kamen wir an eine Polizeisperre und dachten schon: „klasse... Was machen wir jetzt ohne Pässe? Schöner Sch***!“ (Das Mitnehmen von Ausweispapieren ist hier Pflicht.) Aber wir hatten unsere Herzschlagfrequenz umsonst gesteigert, es ging vielmehr um Schmuggelware, in anderen Worten: Forellen. Nach irgendeinem Gesetz dürfen diese nämlich nicht aus einem bestimmten Distrikt ausgeführt werden. Einer Frau war dieses Gesetz entweder unbekannt oder sie hatte es wegen ihrer optimistischen Grundeinstellung verdrängt, jedenfalls hatte sie sich gleich 60 Kilo Forellen mitgenommen, also nicht ganz im Rahmen dessen, was man als Eigenbedarf deklarieren könnte. Und weil der persönliche Bedarf der örtlichen Polizisten an Forellen gerade offenbar gedeckt war, erwiesen sich die Bestechungsversuche mit jeweils 3 Kilo Forellen pro Polizeinase als erfolglos (kein Witz jetzt) und wir standen mehr als eine halbe Stunde an der blöden Schranke, bis es weitergehen konnte. Später, es war mittlerweile stockdunkel, kamen wir endlich auf die erste Teerstraße, seit wir Cieneguilla verlassen hatten und erreichten gegen 20:00 Jauja.

Wir hörten uns erstmal nach Fahrten nach Lima um, und buchten eine für gute 4€ für die etwa siebenstündige Fahrt. Da wir bis zur Abfahrt noch Zeit hatten, ließen wir unser Gepäck im Reisebüro und schlenderten ein bisschen durch die Stadt. Zunächst ließen wir uns von unserm Hunger in ein Pollo a la Brasa-Restaurant treiben, das halbwegs angenehm aussah und ließen und da für 1,5€ ein dickes Hähnchenstück mit Pommes, Salat und Chicha (Maissüßmost) auffahren. Eine Offenbarung, echt megalecker und wieder keine negativen Meldungen aus dem Verdauungstrakt.

Danach begaben wir uns auf die Suche nach einem schicken Café, wo wir einen Kakao schlürfen wollten. Das fanden wir zwar nicht, dafür eine Kneipe mit Livemusik. Das einzige Unalkoholische, was die hatten, war Coca Cola (mit Zero Zucker) und Inca Cola (Tochter von Coca Cola, das Zeug riecht schwer nach Kaugummi), ich verzichtete daher freiwillig und lauschte nur der Musik. War nicht schlecht, echt eine sinnvoll angelegte halbe Stunde.

Jetzt parkten wir uns im Reisebus (diesmal echt ein Reisebus) und versuchten (zumindest was mich betraf) zu schlafen. Nicht ganz einfach und auch nicht ganz sinnvoll. Es ging nämlich wieder über einen Pass mit knappen 5000 Metern (ich bin mir ziemlich sicher, dass da oben neben der Straße Schnee lag, die anderen konnten das nicht bestätigen, vielleicht schob ich wegen der Höhe schon Filme, was weiß ich)... Wie auch immer, ich komme mal darauf zurück, wie sinnvoll es ist, auf so einer Fahrt zu schlafen: Leider funktioniert das Mittelohrdruckausgleichsystem (kurz: MoDaS) nicht automatisch (sonst hieße es auch AMoDaS) und als ich Lima ankam, war leider meine Konnektivität zur Außenwelt schwer eingeschränkt: Ich hörte fast nichts mehr, meine Ohren waren zugefallen. Ihr werdet das Gefühl wahrscheinlich kennen, aber bei mir hielt das vorher noch nie länger als ein paar Minuten an. Diesmal dauerte es mindestens einen Tag, bis es sich langsam verflüchtigte.

Aber auch mit komplett funktionierendem Akustikapparat hätte ich wohl diesen (wie immer) diesigen limeñer Morgen nicht besonders genießen können. Komplett gerädert und extrem schweigsam (oder hörte ich nur nichts?) schleppten wir uns vom Bus zum Taxi zum Colectivo zum Colégio ins Bett.

 

 

14.10.07 05:50
 



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