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Reisen Peru






Selva

So, jetzt wird’s mal langsam Zeit, dass ich ausführlich über die Selva-Fahrt berichte.

Also am Montag den 15. ging's los. Zunächst mal mit dem Colectivo und der Klassenlehrerin nach Lima rein, wo wir an der Bushaltestelle die Schüler trafen. Dann rein in den Reisebus (halbwegs bequemes Modell) und erst mal durch die ärmeren Bezirke Limas Richtung Norden, durch Chosica und ab in die Berge. Nach ein paar Stunden dann über einen Pass mit 4818 Metern (und damit immerhin höher als der Mont Blanc, vorher waren sicherheitshalber Kotztüten ausgegeben worden) bis nach Tarma, einer kleinen Stadt in den Anden, auf dreitausendirgendwas Metern, deren Name „Perle der Anden“ bedeutet. Dort (es war bereits Nacht geworden) ließen wir uns zu einer Hacienda kutschieren, wo wir auf einer Wiese unsere Zelte aufschlugen. Noch zuvor, als wir gerade aus dem Bus ausgestiegen waren hat mich die Höhe kurz erwischt, ich spürte schon, dass es mir nicht gut ging, so das Gefühl, dass man hat, kurz bevor man ohnmächtig wird. Leider war nichts gescheites zum Draufsetzen geschweigedenn Drauflegen in Reichweite, also lehnte ich mich an die nächste Hauswand und pumpte erstmal meinen Kreislauf mit tiefen zügigen Atemzügen wieder voll mit Sauerstoff, dann ging's wieder. Bestens sogar, vor allem, weil's zum Abendessen ein saftiges Rindersteak gab (eins? Eigentlich schon, aber schulküchenerprobt wie ich bin, hab' ich natürlich drei bekommen, viele Kinder hatten ihres nicht runterbekommen und zum Wegwerfen fand ich sie zu schade. Das gleiche Prozedere wiederholte sich in allen folgenden Tagen: Ich aß eigentlich immer dreimal so viel, wie der Kinderdurchschnitt und zweieinhalb mal die Normalportion).

Die Hacienda überraschte mich, neben dem guten Essen, auch mit sauberen Toiletten. Dazu muss gesagt werden, dass die Toilettensituation in Peru, wie wohl in vielen anderen Entwicklungsländern auch, außerhalb der High Society-Ghettos ziemlich katastrophal ist. In den Restaurants und Unterkünften, die wir uns noch leisten können, versucht man eigentlich immer, nicht auf's Klo gehen zu müssen, weil's einfach eklig ist. Klobrillen gibt’s fast nie und wenn, dann will man die meistens nicht mal anschauen, weil sie ausschauen, als wären sie seit der Montage (dieses Wort kommt nicht vom Wochentag, sondern vom Französischen) nicht mehr geputzt worden.

Am Dienstag ging's nach dem Frühstück erstmal auf eine kleine Wanderung mit kleiner Aquarellmal-Session, also genug Zeit für mich, zu entspannen, während die Kids malten. Am Nachmittag ging's dann nochmal ein bisschen weiter, in ein Nachbardorf namens Muruhuay (fragt mich nicht, woher der Name kommt) und irgendso einem Santuario (Heiligtum), was mich jetzt nicht so brennend interessierte, weil irgendwie ganz Peru vollgestopft ist, mit irgendwelchen Schreinen, Kapellchen, Heiligtümern und was weiß ich was allem für irgendeinen Heiligen. Danach ging's weiter in die angeblich größte Tropfsteinhöhle Südamerikas, die aber auch nicht so richtig beeindruckend war. Groß war sie, aber die Tropfsteine in der Bärenhöhle auf der Schwäbischen Alb hab' ich als eindrucksvoller in Erinnerung

Am Abend dann gings weiter nach San Ramón und damit beginnt der Selva- (heißt übrigens so viel wie Wald/Wildnis und wird Selba ausgesprochen) Aufenthalt.

Mein erster Eindruck in San Ramón war: „¡Que calor!“ was man auch mit „Scheiße heiß hier!“ übersetzen könnte. Wir kamen ja grad direkt aus den Bergen, wo es angenehm frisch, aber auch nicht zu kalt gewesen war. Es war zwar Abend, aber das ändert am Klima im Regenwald wenig. Das fühlte sich ungefähr so an, wie in der Botanikabteilung der Wilhelma, einfach krass warm + heftige Luftfeuchtigkeit, eine deftige Mischung und ich hatte erstmal das Gefühl, dass ich dieses Klima nicht lang durchhalten werde. Zu meiner Überraschung hab' ich mich da aber getäuscht: Mit jedem Tag ging's mit besser, ich glaub' man gewöhnt sich recht zügig daran.

Am Mittwoch rollten wir mitsamt eines Touriführers zu einer Comunidad Nativo oder wie sich das nannte, also 'nem Indianerdorf. Die Comunidad war aber schwer touristisch erschlossen, arg viel Indianernostalgie konnte irgendwie nicht aufkommen. Außerdem gings an dem Tag noch in einen botanischen Garten (kaum Unterschied zur Wilhelma) und einen Schmetterling-Garten, da gab's schon einige beeindruckend große Flatterinsekten zu sehen.

Den absoluten Höhepunkt des Tages erreichten wir am Nachmittag nach etwa halbstündiger Wanderung durch den Wald: Einen vielleicht 20-30 Meter hohen Wasserfall, in dem wir uns ordentlich von der Hitze erholen konnten.

Am nächsten Tag ging's dann auf eine längere, fünfstündige Wanderung. Leider wurde der Regenwald seinem Namen gerecht, nachdem er sich am Vortag zurückgehalten hatte. Die Kids fanden das gar nicht so schlimm, ihr Kommentar war sogar teilweise: „¡chévere!“ (cool!), in Cieneguilla oder Lima gibt’s so was ja nicht. Ich konnte dem Wetter nicht ganz so viel abgewinnen und stiefelte in Regenjacke und Badehose durch die Gegend. Ein Teil der Kinder hatte sich für die Reise Gummistiefel geleistet, keine schlechte Investition, denn den letzten Teil des Weges mussten wir im Bachbett waten. Während die Gummistiefler also fröhlich drauflosstiefeln konnten, mussten die, die ihre Schuhe nicht nass werden lassen werden wollten (also ich und der Führer) barfuß durch das Bachbett mit halbwegs spitzen Steinen waten. Das wär auch noch im Rahmen gewesen, aber ab und zu musste man zur Überwindung von kleineren Wasserfällen das Bachbett verlassen und sich über Lianen nach oben hangeln, barfuß nicht ganz die super Sache...

Die Wasserfälle waren dann auch nur jeweils vielleicht drei Meter hoch, also nicht mit dem vom Vortag zu vergleichen.

Den Freitag verbrachten wir dann hauptsächlich damit, an einem künstlich angelegten See zu chillen (das Wasser wirkte ziemlich dreckig, deshalb hab' ich mich nicht rein begeben).


Oh... Das wirkt jetzt alles ein bisschen negativ glaub ich. Das war's aber nicht unbedingt. Das Klassenfahrtsklima war super, die Kinder hielten sich, soweit wir das beurteilen konnten an die Vorgaben und waren auch untereinander überraschend verträglich. Ich fühlte mich auch nicht ausgeschlossen, was ja hätte sein können, so als einziger Nichtspanischmuttersprachler. Für mein Spanisch war die Fahrt auf jeden Fall auch richtig gut. Im Colégio habe ich immer ein ziemliches Rückzugsgebiet, in dem nur Deutsch gesprochen wird, auf der Klassenfahrt konnte ich mit Deutsch überhaupt nichts anfangen und musste mein Spanischvokabular deutlich ausbauen (ich bin grad an den verschiedenen Vergangenheitsformen und dem subjuntivo dran, die braucht man einfach zu oft, um sie ignorieren zu können, als nächstes plane ich mal gescheite si-Sätze (Konditional-Zeug) zu lernen, das scheint ein bisschen anders zu sein als in Französisch und Englisch, aber ich hab mich noch nicht dran gemacht.


Gut, zu erwähnen bleibt noch, dass es mir am Samstag morgen erst mal ziemlich übel ging, also raus aus dem Zelt, eine rumliegende Plastiktüte gekrallt und ordentlich mit dem teilweise verdauten Essen des Vorabends vollgemacht. Nach zwei Stunden ausruhen ging's mir wieder einwandfrei gut und auch der Rückweg (in einem Superluxusbus, besser als alles, was man in Deutschland findet) über den Pass machte mir nichts aus, ich nehm an, dass irgendwas am letzten Essen nicht ganz in Ordnung war, auch einige Kinder klagten über Bauchweh.


Ich mausere mich hier übrigens geradezu zum Frühaufsteher. Während der Klassenfahrt bin ich regelmäßig um sechs Uhr aufgestanden und auch im Colégio steh ich jeden Tag spätestens um halb acht auf, obwohl zehn auch noch langen würde. Vor drei Monaten hätt' ich mir das nicht vorstellen können...


Gut soweit mal mein Bericht, wenn wieder was interessantes passiert, meld ich mich,

demnächst werd ich auch die Bilder von der Klassenfahrt hochladen.


Viele Grüße,

Joachim

26.10.07 05:21
 



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