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Reisen Peru






Andenüberquerung Nr.2

Hallo!

Es wird Zeit, über unseren Ausflug in die Cordillera Blanca zu berichten.

Am Freitagabend (4.1.) ging's nach ausführlichem Kofferpacken um 18:00 in Cieneguilla los in Richtung Lima. Trotz radikalen Rationalisierungsmaßnahmen wogen unsere Rucksäcke 17 und 14 Kilo, was hauptsächlich den 10 Litern Wasser geschuldet waren, die wir aufgrund meiner schlechten Erfahrungen vom letzten Mal (letzter Tag ohne Wasser) eingepackt hatten. Schließlich mussten wir damit rechnen, vier Tage lang außerhalb jeder Zivilisation überleben zu müssen.
Außerdem im Gepäck: Ein Zelt, Schlafsäcke, Isomatten, zwei kleine Brotlaibe, die absolute Minimalausstattung an Klamotten um mal die gewichtsmäßig signifikantesten Gepäckstücke zu nennen.

In Lima hatten wir uns in den Tagen davor bereits nach den Preisen und Abfahrtszeiten erkundigt, wurden dann aber mit günstigeren Ticketpreisen als gedacht konfrontiert. Hatte man uns während der Feiertage noch gesagt, die etwa 400 km und 8 Std. lange Reise würde 50 S/. (das ist die Abkürzung für die Nuevo Soles), also knapp 12€ kosten, da die Feiertage aber rum waren, fielen die Preise auf einmal auf 30 S/. (knappe 7€.
Nachdem wir die Zeit zwischen 19:15 und der Abfahrt des Busses um 22:00 irgendwie rumgebracht hatten, durften wir endlich in den Supersitzen der peruanischen Reisebusse Platz nehmen. Obwohl wir nur zweite Klasse gebucht hatten (ja, es gibt erste und zweite Klasse), waren die Sitze um Einiges besser als die in der zweiten Klasse eines Interkontinentalflugzeugs und kommen fast an eine schlechte erste Flugzeugklasse heran.
Neben uns hatten zwei recht junge Engländer Platz genommen, an denen ich dann erst mal eine halbe Stunde versuchte, mein Englisch zum Laufen zu bringen. Was sich als nicht ganz so einfach erwies, weil mein Gehirn meistens automatisch von Deutsch nach Spanisch übersetzte und meine Spanisch-Englisch-Übersetzung noch nicht so gebahnt ist...

Später in der Nacht ging's dann über einen Pass und irgendwie versagte die Heizung des Busses (und da bringen auch die tollsten Sitze nichts mehr). Matthias und ich waren natürlich in Wanderstiefeln, langen Hosen, Kapuzenpulli, Palästinensertuch und Sonnenhut ausgestattet und wir froren ähm heftig. Eigentlich wollte ich hier erbärmlich schreiben, aber diese Vokabel muss ich mir für die Engländer aufheben, die hatten nämlich Shorts, T-Shirts und Flip-Flops an, sonst nichts... Denen muss es so richtig dreckig gegangen sein, die Temperatur lag nämlich nicht über 5°C...

Am Morgen kamen wir um 6:00 in Huaraz an, eine kleinen Städtchen an der Cordillera, von der man morgens gleich einen super Blick auf die Nevados (Schneeberge) hatte.
Wir haben uns hier aber keine Zeit gelassen, sondern haben uns gleich ins nächste Colectivo nach Caraz gestürzt, das dann nochmal eineinhalb Stunden unterwegs war. In Caraz dann mit dem Mototaxi weiter zu einer anderen Haltestelle, von der aus es dann nach Cashapampa weiter, dem Startpunkt unserer Wanderung.
Hier kauften wir noch einen kleinen Laden leer und deckten uns mit noch ein bisschen mehr Brot ein (so kleine Fladendinger, an denen eigentlich nix dran ist).
Dann ging's los.

1. Etappe (Samstag) (9km, 850 Höhenmeter)


Die erste Etappe startete bei 2910 m ü NN und ging erstmal recht steil bergauf in einer extrem engen Schlucht...
Schon zur Mittagspause waren wir ziemlich platt, die mangelnde Gewöhnung an die Höhe und das noch sehr schwere Marschgepäck zehrten an unseren Kräften. Deshalb entschieden wir auch, beim Erreichen des ersten ausgeschilderten Zeltplatzes am Nachmittag die erste Etappe schon sehr früh zu beenden, den Rückstand wollten wir dann am nächsten Tag aufholen.
Allerdings hatten wir mit der Höhenanpassung durchaus Glück. Keiner von uns klagte über Kopfschmerzen, Übelkeit oder extreme Erschöpfung, wie ich es bei der letzten Andenüberquerung noch erlebt hatte.
Das Wetter war den größten Teil des Tages super, am Nachmittag allerdings setzte leichte Regen ein, aber da waren wir ja schon im Zelt.
Unser Proviant machte uns ein bisschen Sorgen und wir rationierten ihn sehr stark, um sicher zu sein, auch am letzten Tag noch was zum Essen zu haben. Wir ernährten uns die ganze Zeit größtenteils von Brot mit Erdnussmus und Selfmadeketchup Marke "Diavolo". Zum Mittagessen gab's jeweils (Lichtblick des Tages) ein bisschen Schokolade.

2.Etappe (Sonntag) 15km, 700 Höhenmeter)
Am nächsten Tag ging's die ganze Zeit in einem sehr weiten Tal entlang. Die Steigung hielt sich in Grenzen und wir liefen zur Höchstform auf und unsere Marschzeiten zwischen den Pausen wurden immer länger. Es ging vorbei ein Kuhweiden, türkisen Seen und durch kleine Wäldchen. Nach dem Mittagessen mussten wir noch einen Aufstieg verkraften, aber der war es wert. Nur wenige hundert Meter danach, bot sich uns ein wunderbares Panorama am Ende des Tales. Wir waren umgeben von Nevados, von denen sich Gletscher Richtung Tal schoben und an denen sich Wolken verhakten, oder darüber hinweg getrieben wurden. Das Schnee der Berge und der Wolken, das Blau des Himmels und das Grün des Tales bildeten eine einmalige Komposition, für die wir aus dem wüstigen Cieneguilla natürlich besonders empfänglich waren. Die Bilder sehen schon toll aus, vermitteln aber nur wenig von der Atmosphäre, die von diesem Ort ausging. Für mich ist Taullipampa auf jeden Fall einer der schönsten Orte, die ich je besucht habe.
Da es noch nicht allzuspät am Abend war und wir uns noch einigermaßen fit fühlten, beschlossen wir, noch ein wenig weiter aufzusteigen und uns weiter oben einen Zeltplatz zu suchen. Das Wetter belohnte uns leider nicht für diese Entscheidung, bald begann es zu regnen und sogar zu hageln. Die Temperatur fiel und, nachdem wir nach viel zu langer Suche endlich einen geeigneten Platz für das Zelt gefunden hatten, mussten wir es mit fast erfrorenen Fingern aufbauen.
Dann im Zelt packten wir uns in alles ein, was wir hatten, ein doppeltes Paar Socken, lange Unterhose, Rolli, zwei Pullis, Mütze, Pali, ein Paar Socken an die Hände und konnten so in unseren Schlafsäcken halbwegs gegen die Kälte bestehen. Bedrohlicher war in dieser Nacht vielmehr ein entferntes Grollen, das ein Gewitter ankündigte. Da wir unser Zelt auf einer Kuppe aufgebaut hatten (bei Regen hat das einen gewissen Vorteil) machte uns die Vorstellung eines aufziehenden Gewitters eine Heidenangst. Zum Glück blieb es aber bei einigem Grummeln in der Ferne und wir konnten halbwegs beruhigt schlafen
Zum Thema Schlafen wäre zu sagen, dass wir auf der gesamten Wanderung immer das Gefühl hatten, nachts nur vielleicht 50% der Zeit zu schlafen. Immer wieder wurden wir wach und mussten uns zwingen, wieder einzuschlafen. Meine Vermutung ist, dass der Körper einfach mit seinem üblichen Atemrhythmus zu wenig Sauerstoff bekommt und deshalb lieber auf wach schaltet.

3. Etappe (Montag) 17km, 300 Höhenmeter nach oben, 1000 nach unten
Am Montag ging's am frühesten los. Schon um viertel vor sieben standen wir auf, schließlich lag die härteste Etappe der Tour vor uns und wir wollten einen gewissen Vorsprung herauslaufen, um am letzten Tag möglichst viel Zeit zu haben.
Zunächst ging es hoch zum Pass auf 4750 Metern. Leider hatte sich der Himmel zu gezogen und von den umgebenden Nevados war nur der untere Teil des Gletschers zu sehen. Hinter uns kam eine Gruppe niederländischer Touris mit Führer und Packpferd (die meisten Touristen können hier offenbar ihr Zeug nicht selber schleppen) immer näher und das gab uns eine zusätzliche Motivation, ein bisschen mehr auf's Gas zu drücken und wir legten einen veritablen Spurt zum Pass hin, wo wir den ersten Schnee unseres Jahres in die Hand nehmen durften, auch wenn er sich auf sehr kleine Reste beschränkte.
Auf der anderen Seite ging es sehr steil bergab und nur in kurzen Momenten, wenn der Wind die Wolken auseinander trieb, ließ sich die Schönheit des Tals erahnen. Im Laufe des Tages fing mein Magen an, ein bisschen Probleme zu melden, was den Spaß am Wandern ein wenig schmälerte. Hinzu kam, dass das Wetter einfach nicht besser werden wollte und uns Petrus mit einem Schauer nach dem anderen beglückte, kurz: wir und all unsere Sachen durch und durch nass wurden. Auch die Nacht im teilweise nassen Schlafsack kann man als eher unangenehm abhaken.

4. Tag (Dienstag) 10km, 300 Höhenmeter runter, 300 rauf
Am letzten Tag der Wanderung ließen wir uns ein bisschen mehr Zeit mit dem Aufstehen, schließlich waren wir am Tag zuvor gute 3km mehr gelaufen, als ursprünglich geplant. Dennoch waren wir bereits um 13:00 am Endpunkt der Wanderung angekommen, das Wetter hatte sich deutlich gebessert und zumindest die Sachen, die wir anhatten wurden wieder trocken. In Vaquería, dem Ort, in dem uns laut unserem Plan ein Bus abholen und wieder ins Tal von Huaraz bringen sollte, durfte ich das erste Mal bewusst Unterhaltungen auf Quechua lauschen (neben Aymara die Haupt-Indígena-Sprache, die in ganz Südamerika immerhin noch von 10 Mio. Menschen gesprochen wird, davon 3,2 Mio in Peru). Irgendwie erinnert es mich ein bisschen an osteuropäische Sprachen und es kommen ein Haufen i und a drin vor (ich hab mich mal erkundigt, e und o gibt es gar nicht!) außerdem halt viele Zischlaute. Zum Glück konnten die alle auch Castellano und ich konnte ein bisschen kommunizieren. Ich hab' mit gleich beibringen lassen, was "danke" heißt: ich würd's mit "paki" schriftlich wiedergeben.
Als wir dachten, unser Abenteuer wäre zu Ende, da fing es eigentlich erst richtig an. In dem kleinen Busschen gab es nämlich nicht genug Platz. Aber wir sind ja in Peru und da geht einiges: Wir wurden einfach auf's Dach befördert. Dort saßen wir auf dem Gepäck der anderen Mitreisenden und fanden das kurzfristig auch ganz lustig, bis es anfing zu regnen und zu hageln. Ich meldete mich beim Fahrer über kräftiges Stampfen auf's Fahrzeugdach. Der hielt an und wir wurden verpackt: Statt auf dem Gepäck zu sitzen, legten wir uns darauf, einige (löchrige) Plastikplanen wurden über uns gelegt und das ganze Paket noch ordentlich mit einem Gepäcknetz verschnürt. Aus eigener Kraft hätten wir uns auf jeden Fall nicht mehr befreien können. Zum Glück haben wir keine Platzangst....
Besonders viel angenehmer wurde die Fahrt jedoch nicht. Die Fahrt ging durch einen Haufen Schlaglöcher und um mich halbwegs abzusichern musste ich unter der Plane nach außen greifen, um mich am Gepäckträger des Busses festzuhalten. Wie angenehm das bei Temperaturen um den Nullpunkt plus Hagel minus Handschuhe ist, könnt ihr euch sicher vorstellen. Außerdem begann sich über uns immer mehr Hagel anzusammeln und mit der Zeit wurde die Plane durch den reichlichen Belag immer schwerer, während es durch ihre Löcher reintropfte. Gute zwei Stunden durften wir es so aushalten, bevor wir die letzten zwanzig Kilometer wieder sitzen durften (was allerdings nicht ganz ungefährlich war, das Wagendach war durch den Regen ziemlich rutschig geworden und es ging recht zügig die Serpentinen runter, so dass wir uns teilweise ziemlich verzweifelt am Gepäcknetz festkrallen mussten, um nicht runterzufallen. Als wir dann nach insgesamt etwa 3 Stunden wohlbehalten in Yungay ankamen, fiel uns schon ein Stein vom Herzen. Finanziell hat sich die etwas spezielle Busfahrt übrigens gelohnt. Erstens konnte ich eine 33prozentige Fahrpreisermäßigung aushandeln, (10 S/. statt 15 S/.) und außerdem regelte ich mit dem Fahrer, dass er uns unter der Plane versteckt lassen sollte, als wir einen Kontrollposten passierten, bei dem einem für die Benutzung des Nationalparks 65 S/. pro Kopf abgenommen werden.
Am Abend gönnten wir uns dann noch ein kleines Menü in Huaraz und nahmen um 22:30 den Bus nach Lima, wo wir am nächsten Morgen um 6:00 ankamen. Von hier aus dann nur noch mit dem Bus nach Cieneguilla, wo sich unsere Beine von den Strapazen erholen konnten.
Naja, mittelmäßig ausruhen. Während wir weg waren, war ein Wassertank übergelaufen, hatte die Zivizimmer teilweise überflutet und das Parkett ruiniert...

Außerdem schaut's grad wettermäßig nicht so gut aus. Offenbar gibt's dieses Jahr ein bisschen El Niño, im Süden des Landes gibt's einen Haufen Erdrutsche wegen der vielen Niederschläge. Auch hier in Lima regnet's grad bisweilen, was eher untypisch ist.

Hier gibt's alle Bilder zum Ausflug: ¡Klick mich!

14.1.08 04:53
 



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